Es ist eine dieser Nächte, in denen der Schlaf nicht kommen will. Also Laptop auf, Kaffee daneben und rein in die LiDAR-Daten von swisstopo.
Mein Fokus liegt auf der Region Thun. Mich interessieren vor allem mögliche Grabhügel, Burgreste oder andere anthropogene Strukturen, die im heutigen Gelände kaum mehr auffallen, im Laserscan aber plötzlich wieder sichtbar werden.
Die Bilanz dieser nächtlichen Expedition: viele interessante Kandidaten, aber nur ein Ort, der sich eindeutig identifizieren lässt: Der Galgenhubel von Steffisburg.
Im LiDAR-Relief tritt der Hügel klar hervor: eine erhöhte, exponierte Lage oberhalb eines alten Verkehrswegs. Genau so, wie man es von einer mittelalterlichen Richtstätte erwarten würde. Auch der Flurname spricht eine deutliche Sprache: Galgenrain.
Dass hier tatsächlich Menschen hingerichtet wurden, ist nicht nur wahrscheinlich, sondern gut belegt. Eine präzise Bestätigung findet sich im historischen Abriss zur Steffisburger Dorfgeschichte (S. 6). Dort heisst es unter anderem:
Die Richtstätte in Steffisburg […] befand sich im Gebiet Glockenthal an erhöhter und somit gut sichtbarer Lage unweit der Landstrasse oberhalb der Dorfhalde, wo die Flurnamen Galgenrain (1692: by dem Galgenrein) und Galgenhubel (1833: Galgen Hubel) an die Richtstätte erinnern.
Apropos Galgen: Ein weiterer Richtplatz befand sich bei Thun, auf dem Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik an der Uttigenstrasse – dort, wo heute ein Parkplatz steht und die Bahnlinie verläuft.
Eine hervorragend recherchierte Analyse dieser Hinrichtungsstätte findet sich bei Thunensis, inklusive historischer Karten, Geländeinterpretation und Kontext.