Interessantes auf Facebook: Der Kryptozoologe Loren Coleman hat kürzlich auf eine auffällige Änderung in einem Interview hingewiesen (siehe Hauptbild).
Im Gespräch mit dem Wissenschaftsjournalisten Nuño Domínguez in El País spricht der Paläoanthropologe Ludovic Slimak über einen rätselhaften menschlichen Fund in Europa, vermutlich im Rhonetal Frankreichs, wo Slimak vor allem zu den Neandertalern forscht. Und die erste Version klang deutlich spektakulärer als die spätere.
Schon früh drängt sich der Vergleich mit den berühmten «Hobbits» von Flores auf: kleinwüchsige Menschenformen mit ungewöhnlicher Morphologie. Genau in diese Richtung deuteten die ursprünglichen Aussagen. Slimak wurde in der Version vom 16. Februar folgendermassen zitiert:
«Es ist faszinierend, weil die Morphologie sehr spezifisch ist. Es sieht aus wie ein siebenjähriges Kind, aber es ist der Körper eines Erwachsenen.»
Weiter hiess es:
«Nach dem, was wir gesehen haben, gibt es keine Neandertaler-Merkmale.»
Und noch konkreter wurde die Einordnung des Fundes beschrieben. Der Körper sei «in einer sehr tiefen Höhle» entdeckt worden, «in einer Erdschicht vor der Vereisung», und die Forschenden versuchten zu verstehen, was genau sie vor sich hätten. Zusammengenommen ergab sich das Bild eines neuen, ungewöhnlichen menschlichen Typs in Europa. Zumindest liess die Wortwahl viel Raum für Spekulationen.
Doch nur einen Tag später, am 17. Februar, sah das Interview deutlich anders aus. Die prägnanten morphologischen Aussagen verschwanden vollständig. Übrig blieb eine wesentlich vorsichtigere Darstellung: Man beginne erst zu verstehen, was der Fund bedeuten könnte, und es brauche noch Jahre an Forschung. Der Ton wirkte klar gebremst und wissenschaftlich defensiv.
Solche nachträglichen Abschwächungen sind in der Wissenschaftskommunikation nicht ungewöhnlich, etwa wenn Ergebnisse noch nicht peer-reviewt sind oder Formulierungen zu weit interpretiert werden könnten. Dennoch ist der Unterschied zwischen beiden Versionen auffällig genug, um genauer hinzusehen.
Ob hier tatsächlich etwas Spektakuläres in Europa ans Licht kommt oder am Ende eine ganz konventionelle Erklärung folgt, bleibt offen. Aber der Fall zeigt einmal mehr: Manchmal lohnt es sich, auch auf die stillen Textänderungen zu achten.
Bild: Loren Coleman