Tschäggättä-Maske gefunden

Heute habe ich bei meiner Mutter eine alte Maske abgeholt. Lange hing sie bei uns in der Stube, direkt neben dem Cheminée. Ein stiller, etwas unheimlicher Blickfang, der meine Kindheit und Jugend begleitet hat. Neben ihr hing noch eine zweite Maske, doch diese fehlt heute.

Die Maske erinnert stark an eine Tschäggättä-Maske aus dem Lötschental: grob geschnitzt und mit einem verzerrten Gesicht, das für diese Tradition typisch ist. Meine Mutter vermutet, dass mein Vater sie irgendwann zwischen 1960 und 1980 aus dem Lötschental mitgebracht hat, möglicherweise während seines Militärdienstes oder im Zusammenhang mit seiner Arbeit.

Gesichert ist das allerdings nicht. Viel lässt sich über die Maske bislang nicht sagen. Sie ist etwa 20 Zentimeter gross, und auf der Rückseite finden sich die Initialen «HL».

Es sind nur wenige Hinweise. Doch vielleicht reichen sie aus, um der Geschichte dieser Maske ein Stück näherzukommen.

Tschäggättä

Ich frage mich gerade, wie man das am besten angeht, vielleicht über das Lötschentaler Museum, das übrigens seinen gesamten Katalog online hat.

Apropos Tschäggättä («Gescheckte», wegen der Felle, die sie tragen): Ein Filmstudent hat kürzlich eine interessante Kurzdokumentation über diese Tradition veröffentlicht, die eng mit anderen «Wilde-Männer»-Traditionen im Alpenraum verwandt ist.

Gemäss einer Person in der Doku geht der Brauch auf Konflikte zwischen romanisierten Kelten und neu angekommenen, sesshaften Germanen zurück. Andere Deutungen verbinden die Masken mit umherziehenden Räubern, die früher maskiert nachts die Dörfer überfielen. Eine weitere Theorie besagt, dass sich die Sagen auf prähistorische Begegnungen mit «andersartigen Menschen» – etwa Neandertalern – stützen könnten.

Alles Unsinn, argumentiert der Walliser Werner Bellwald in diesem Artikel. «Heute nimmt man an, dass sich die Maskenfiguren aus den kirchlichen Theaterspielen verselbständigten und eines Tages mit ihren Teufelsmasken an der Fastnacht auftraten – solche Vorgänge sind für Süddeutschland so gut wie belegt. Seither entwickelte sich das Maskenlaufen unter mehrfacher Veränderung von Formen und Funktionen zu seinem momentanen Aussehen.»

Hier der Film:

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