Lokalhistoriker: Erste Quellen

Ich bin fasziniert von der frühen Archäologie im Kanton Bern, besonders von ihren oft sehr informellen Anfängen. Vieles begann nicht in akademischen Strukturen, sondern bei interessierten Laien, Sammlern und lokalen Forschern.

Anfangs waren es häufig wohlhabende oder gebildete Privatpersonen, die Funde zusammentrugen, dokumentierten oder in kleinen Netzwerken tauschten.

Museen spielten dabei zunächst eher eine sammelnde und ordnende Rolle, während systematische Grabungen und professionelle Strukturen erst deutlich später, vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, aufgebaut wurden.

Prägend für die frühe Phase war unter der bereits vielfach erwähnte Albert Jahn.

Daneben wirkten zahlreiche weitere, heute teils weniger bekannte Antiquaren und Lokalgelehrte, deren Beiträge sich oft nur verstreut in Berichten, Vereinsakten oder frühen Publikationen finden. Gerade diese Fragmentierung macht die Rekonstruktion ihrer Tätigkeiten schwierig.

Besonders spannend ist für mich natürlich der regionale Bezug zu Thun und Umgebung: Dort lassen sich immer wieder Personen fassen, die als Lehrer, Pfarrer oder lokale Beamte nebenbei archäologisch tätig waren und Funde dokumentierten oder weitergaben.

Auch bedeutende Fundplätze in der Region wie «Renzenbühl» oder der «Tempelbezirk» Allmendingen stehen sinnbildlich für diese frühe Phase der Forschung.

Dies ist der Startpunkt weiterer Recherchen.

Ziel ist ein längerer Artikel über diese aus heutiger Sicht «Renegade»-Archäologen von Thun, die mal «so nebenbei» erstaunliche Funde machten. Im Beitrag über Thun-Renzenbühl finden sich bereits einige Quellen und Infos zu diesen Personen.

Im Folgenden folgen vor allem Auflistungen und Quellenverweise, die primär mir als Arbeitsgrundlage dienen. Dieser Beitrag ist «work in progress», wird also in den kommenden Tagen weiter ergänzt. Sorry für die Unordnung!

Folgende Personen möchte ich im Detail anschauen:

David und Albert Andrist
S.A. Gassner
Gustav von Bonstetten
Albert Jahn
W. Zimmermann
Eugen Tatarinoff
Franz Wuillemin
F. Indermühle

OK. Beginnen wir mit dem Kontext, einer Zusammenfassung aus: Archäologie macht Geschichte. Funde aus dem Kanton Bern. 50 Jahre Archäologischer Dienst (Link zum Download)

Bereits im 17. Jahrhundert beschäftigten sich in Bern Gelehrte mit der Antike. Die von ihnen zusammengetragenen Objekte bildeten später den Grundstock einer antiquarischen Sammlung, die zunächst im Raritätenkabinett der alten Stadtbibliothek ausgestellt war. Die Verwaltung lag bei der Bibliothekskommission.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte die eigentliche archäologische Forschung im Kanton Bern ein, etwa mit den Funden aus Thun-Allmendingen. 1811/12 veröffentlichte Franz Ludwig von Haller sein Werk Helvetien unter den Römern. Diese Zeit war geprägt von wachsendem Interesse wohlhabender Bürger an Natur und Geschichte sowie ersten wissenschaftlichen Annäherungen.

Einen ersten Schritt zur Institutionalisierung bildete 1837 die Gründung der Antiquarischen Gesellschaft von Bern mit dem Ziel, eine Sammlung vaterländischer Altertümer zu schaffen. Die Gesellschaft bestand jedoch nur kurz.

Mit der Entdeckung und Ausbeutung der schweizerischen Pfahlbausiedlungen wuchs die Sammlung stark an. Bedeutende Forscher wie Gustav von Bonstetten, Albert Jahn, Adolf von Morlot und Johannes Uhlmann prägten diese Phase. Die Sammlung wurde ab 1863 als Antiquarium bezeichnet und übernahm offiziell die Aufgabe der Sicherung bernischer Bodenfunde, blieb jedoch finanziell von privaten Mitteln abhängig.

Ein deutlicher Aufschwung der Altertumskunde setzte ab der Gründung des Bundesstaates 1848 ein. Das von Christian Jürgensen Thomsen entwickelte Drei-Perioden-System (Stein-, Bronze- und Eisenzeit) strukturierte die Urgeschichte grundlegend. Wichtige Entdeckungen wie keltische Funde in der Berner Tiefenau (1849) sowie die Definition der Latènezeit durch Funde in La Tène folgten. Auch die Pfahlbauforschung gewann an Bedeutung: Ferdinand Keller deutete 1854 Pfähle erstmals als Überreste von Pfahlbauten, und Johannes Uhlmann führte am Moossee systematische Ausgrabungen durch und wies frühen Ackerbau nach.

Bei der 1. Juragewässerkorrektion (1868–1891) traten zahlreiche Pfahlbaufunde aus der Stein- und Bronzezeit zutage. Das starke «Sammlungswesen» führte zu Plünderungen, weshalb der Kanton eingreifen musste. 1873 erliess der Regierungsrat die Verordnung wider das Wegnehmen und Beschädigen altertümlicher Fundsachen im Seeland. Im gleichen Jahr wurde das Museum Schwab gegründet.

Die Institutionalisierung setzte sich fort: 1894 eröffnete das Bernische Historische Museum, das rasch zum Zentrum der archäologischen Arbeit wurde. Die Sammlung des Antiquariums ging darin auf.

Mit dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch, das 1912 im Kanton Bern in Kraft trat, wurde geregelt, dass wissenschaftlich bedeutende herrenlose Altertümer Eigentum des Kantons sind. Eine weitere wichtige Regelung folgte 1929 mit der Verordnung zum Schutz von Naturkörpern und Altertümern, welche dem Bernischen Historischen Museum zentrale Aufgaben bei Ausgrabungen übertrug.

Im 20. Jahrhundert professionalisierte sich die Archäologie weiter. Otto Tschumi wurde erster Archäologieprofessor der Universität Bern und prägte die kantonale Urgeschichtsforschung wesentlich. Das Museum, die Universität und die Feldforschung waren dabei eng miteinander verflochten; Konservatoren übernahmen zugleich wissenschaftliche und administrative Aufgaben. Unterstützt wurden sie von Studierenden sowie einem Netz aus lokalen Mitarbeitenden (Lehrern, Förstern, Pfarrern).

Ab 1950 wurde im Museum systematisch eine Fundstatistik geführt, geordnet nach Epochen und Gemeinden. Gleichzeitig wurden erste staatliche Mittel für Rettungsgrabungen gesprochen, auch wenn grössere Projekte weiterhin Sonderkredite erforderten. In den 1960er-Jahren wurde die archäologische Abteilung des Museums personell ausgebaut, unter anderem mit Zeichnern, Restauratoren und Grabungstechnikern.

1960 fanden grosse Notgrabungen am Moosbühl unter Leitung von Hanni Schwab statt. 1969 kam es nach institutionellen Konflikten zur Entscheidung, die kantonale Archäologie neu zu organisieren. 1970 wurde daraufhin der Archäologische Dienst des Kantons Bern gegründet. 1999 regelte das Denkmalpflegegesetz des Kantons Bern die Aufgaben des Archäologischen Dienstes umfassend neu.

Nun gehen wir zu den Hobby-Archäologen in der Region Thun.

W. Zimmermann

Bislang sehr wenig herausgefunden über diese Person, nicht mal ihren Vornamen. Nähere Infos finden sich in der Publikation von Jürgen Karl Wenzler zu den Funden auf der Bürg in Spiez:

Zimmermann war Oberförster, jedoch finanziell unabhängig, und verfügte über ausreichend Zeit, die er unter anderem damit verbrachte, sich mit der Vorgeschichte zu beschäftigen. Aufschluss über ihn und seine Arbeitsweise geben insbesondere seine Grabung auf der Bürg im Jahr 1935, die er bescheiden als «Sondage» bezeichnete, sowie vor allem seine Schrift «Prähistorische Forschungen im Gebiete des Thuner- und Brienzersees» von 1936.

Es handelt sich dabei offenbar um einen Bericht über die Ergebnisse von Nachforschungen, die er im Auftrag des Bernischen Historischen Museums durchführte. Dieses erhielt vom Seeuferschutzverband des Thuner- und Brienzersees finanzielle Mittel zur Ausarbeitung eines Programms zur archäologisch-historischen Erforschung der genannten Region.

Zimmermann erweist sich als exzellenter Kenner der Materie. Zahlreiche Geländebegehungen sowie gelegentliche Sondagen und Grabungen ergänzten seine Literaturstudien. Er war mit dem Fundmaterial und den Fundumständen bestens vertraut und bezog unter anderem alte Chroniken, Sagen sowie die Flurnamenforschung in seine Arbeiten ein. Naturwissenschaftlichen Untersuchungen gegenüber zeigte er sich sehr aufgeschlossen und pflegte einen regen Austausch mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen.

Er vertrat die Auffassung, dass sich die unterschiedlichen Disziplinen gegenseitig unterstützen sollten. Zudem äusserte er sich zum Pfahlbauproblem, etwa im Zusammenhang mit Seespiegelschwankungen, deren Ursachen sowie den Methoden zu deren Bestimmung. Ortsfremde Materialien nahm er zum Anlass, über mögliche Handelswege nachzudenken.

Schriften:

Spuren von Pfahl- oder Moorbauten im Gebiete des unteren Thunersees

Zum Aufenthalt der Römer in der Thunerseegegend

Prähistorische Streiferein in der weiteren Umgebung von Thun

Bislang nicht gefunden, aber wohl wichtig: Prähistorische Forschungen im Gebiete des Thuner- und Brienzersees (1936), kann vermutlich im Bernisch Historischen Museum (BHM) eingesehen werden.

Eugen Tatarinoff

Einträge in Wikipedia, HLS und swisscollections, ein Nachruf in der Zeitschrift für schweizerische Geschichte.

Franz Wuillemin

Franz Wuillemin ist für mich bislang die interessanteste Figur. Er war Lehrer und wohnte und wirkte in Thun. Er war an zahlreichen Ausgrabungen beteiligt, u. a. Wilerhölzli und Tempelbezirk Allmendingen.

Hier finden sich interessante Nennungen in Artikeln via E-Periodica.

Hier ein Nachruf. Und hier Suchergebnisse im Oberländer Tagblatt.

Scheinbar war er auch gemeinsam mit seinem Sohn tätig (hier).

Besonders spannend: Im Onlineportal des Stadtarchivs Thun liegt ein fotografischer Nachlass von Franz Wuillemin. Beim Kanton Bern (Denkmalpflege) existiert offenbar ein weiterer Nachlassbestand.

F. (Fritz?) Indermühle

Sehr schwierig, den richtigen zu finden. Angeblich Grossrat und Oberst. Einträge via E-Periodica sowie ein Nachruf im Jahrbuch des BHM von 1948. Er taucht jedoch wiederum im Jahrbuch von 1951 auf, was verwirrend ist.

Bild: Nachlass Franz Wuillemin, Stadtarchiv Thun (Link)

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