Ein neues Paper (Download unter «Files») des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern liefert faszinierende Einblicke in die Vegetations- und Landnutzungsgeschichte des Berner Mittellands seit dem Ende der letzten Eiszeit.
Grundlage sind hochauflösende Sedimentanalysen aus dem Moossee bei Bern und dem Burgäschisee.
Die Daten zeigen, wie sich die Landschaft nach dem Rückzug der Gletscher entwickelte: Auf offene Tundrasteppen folgten zunächst boreale Wälder, später ausgedehnte Eichen- und Buchenmischwälder, die das Mittelland während Jahrtausenden prägten.
Während die Jäger- und Sammlergruppen der Alt- und Mittelsteinzeit kaum Spuren in den Sedimenten hinterliessen, setzte mit den ersten neolithischen Siedlungen eine deutliche menschliche Umgestaltung der Landschaft ein. Charakteristisch waren wiederkehrende Phasen von Rodungen und Siedlungstätigkeit, gefolgt von einer erneuten Bewaldung.
Ab der Bronzezeit intensivierten sich die menschlichen Eingriffe.
In der Eisen- und Römerzeit wurde die Landschaft gezielt und vielfältig genutzt – etwa für Eichelmast, Obstbau und neue Kulturpflanzen. Bemerkenswert ist der Befund, dass die Nutzungsintensität teilweise mit der heutigen vergleichbar war, allerdings ohne den Einsatz fossiler Energieträger.
Im Mittelalter entstand schliesslich die dauerhaft offene Kulturlandschaft, die von Ackerbau, Viehwirtschaft sowie Obst- und Gemüsegärten geprägt war.
Die Studie zeigt zudem, dass zahlreiche Hinweise auf menschliche Aktivitäten in den Sedimenten nachweisbar sind, obwohl an den beiden Seen nicht immer archäologische Siedlungsspuren gefunden wurden. Damit eröffnen die neuen Daten wertvolle Perspektiven für die Archäologie und Umweltgeschichte weit über das Berner Mittelland hinaus.
Das zentrale Fazit: Die heutige Landschaft des Kantons Bern ist das Ergebnis einer über Jahrtausende andauernden Wechselwirkung zwischen Klima, Vegetation und menschlicher Nutzung.