Ich habe gerade das Standardwerk über die Beatushöhlen durchgeschaut: «Die St.-Beatus-Höhlen: Entstehung, Geschichte, Erforschung» von Philipp Häuselmann. Es ist ein hervorragendes Buch, wenn man mehr über die Höhlen selbst erfahren möchte.
Die Geschichte der touristischen Erschliessung und die archäologischen Ausgrabungen stehen hingegen weniger im Fokus. Das überrascht nicht, denn Häuselmann ist Höhlenforscher, vielleicht der kundigste, wenn es um die Beatushöhlen geht.
Ein paar historische Informationen findet man dennoch. Besonders interessant fand ich folgenden Satz auf Seite 24:
Das Grab des hl. Beatus, das noch heute zu sehen ist, stammt jedenfalls mindestens aus dem Mittelalter. Es befinden sich menschliche Knochen, eventuell zweier Generationen, darin.
Im Grab am Eingang der Höhle, das als «St.-Beatus-Grabstätte» beschriftet ist, befinden sich also laut Häuselmann menschliche Knochen.
Meine Vermutung ist, dass es sich dabei um genau jene Knochen handelt, die 1904 entdeckt wurden und eigentlich wissenschaftlich hätten untersucht werden sollen. Dazu kam es allerdings nie, wie sich aus diesem Beitrag schliessen lässt.
Leider erfahren wir in Häuselmanns Buch nicht, auf welche Quelle sich diese Information stützt. Beides ist jedoch interessant und zugleich etwas verwirrend. Die Knochen könnten aus dem Mittelalter stammen, möglicherweise aber auch deutlich älter sein. Rätselhaft bleibt zudem die Angabe von zwei Generationen: Handelte es sich um eine ältere und eine jüngere Person? Oder sogar um ein Kind?
Ich vermute, dass die Knochen nie von einem Wissenschaftler untersucht wurden. Stattdessen dürften sie nach der Ausgrabung wieder in das Felsengrab zurückgelegt worden sein. Irreführend ist dabei die heutige Bezeichnung als «St.-Beatus-Grabstätte» und die Inschrift, die offensichtlich auf Hartmann beziehungsweise die Genossenschaft zurückgeht.
Für mich bleibt die Frage spannend: Liegen im Felsengrab tatsächlich die 1904 ausgegrabenen Knochen? Wurden sie wirklich nie wissenschaftlich untersucht? Und stammen sie tatsächlich aus dem Mittelalter? Die endgültige Antwort dürfte sich wohl nur noch im Archiv der Beatushöhlengenossenschaft finden lassen. Möglicherweise verfügt auch der Archäologische Dienst des Kantons Bern über weitere Unterlagen. Dem werde ich ebenfalls nachgehen.
Interessant ist die Angelegenheit auch deshalb, weil bis heute nicht wirklich geklärt ist, wann und in welchen Epochen Menschen die Höhle nutzten und was dort genau gefunden wurde.
Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass Hartmann eine grössere Sammlung von Fundstücken aus den Höhlen besass, darunter auch Zeugnisse menschlicher Kultur.
Häuselmann schreibt zudem, die Höhlen seien bereits in keltischer Zeit bewohnt gewesen. Woher diese Aussage stammt, weiss ich ebenfalls nicht. Immerhin liefert das Buch eine Bibliographie. Für die historischen Informationen verweist Häuselmann insbesondere auf folgende Quellen:
Hermann Hartmann (1920): Die Beatushöhlen am Thunersee
Hans Schild (1983): St.-Beatus-Höhlen
Arnold Heim (1909): Über die Beatus-Höhlen am Thunersee
Desmond Donovan (1938/1939): Beatushöhlen, unveröffentlichter Bericht (unpublished report)
Besonders interessieren würde mich der unveröffentlichte Bericht von Donovan.
Eine weitere Quelle ist ein 1912 im SAC-Jahrbuch veröffentlichter Text: Paul Beck: Über die Entstehung der Beaten- und Balmfluhhöhlen.
Im Artikel steht unter anderem:
Herr Direktor Hartmann in Interlaken besitzt in seiner Sammlung allerlei Tierknochen und -zähne, ferner Stroh, Hölzer und Kohlen pflanzlichen Ursprungs sowie Erzeugnisse menschlicher Handwerkskunst: Topfscherben, von denen einige ein beträchtliches Alter aufweisen, eine Messerklinge und kleinere Gegenstände jüngeren Datums. Ausserdem finden sich in der Höhle Kotballen von Schafen und Ziegen.
Noch eine Randbemerkung zum SAC-Jahrbuch: Das Archiv des SAC ist grundsätzlich sehr wertvoll, allerdings sind die Inhalte nicht über e-periodica zugänglich. An die Artikel gelangt man teilweise nur über Umwege. Eine gute Gesamtübersicht fehlt leider. Am einfachsten ist es, über eine Jahresausgabe einzusteigen und die Jahreszahl in der URL anzupassen.
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