Franz Wuillemin (1879–1956)

Nun wirds konkreter mit Infos zu den Ausgräbern in der Region Thun. Beginnen wir mit Quellen und Kurzinfos zu Franz Wuillemin. Er war Lehrer in Thun und grub vor allem in der Umgebung von Allmendingen und Strättligen.

Hier ein Nachruf. Und hier Suchergebnisse im Oberländer Tagblatt.

Aus dem Nachruf im Oberländer Tagblatt:

Im Bezirksspital, wohin man ihn nach einem Schlaganfall geführt hatte, starb unerwartet in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag unser hochgeschätzter Mitbürger, Alt-Lehrer Franz Heinrich Wuillemin aus Allmendingen.

Er erblickte das Licht der Welt im November 1879 in Berlin, wo sein Vater am kaiserlichen Hofe bedienstet war. Bald aber kehrte die Familie in die Heimat Gurwolf bei Murten zurück.

Nach Schulaustritt liess sich der nun Verstorbene im staatlichen Seminar in Hofwil zum Lehrer ausbilden und erhielt am 30. September 1898 mit der 60. Promotion das Patent. Dann amtete er Jahre in Lobsigen, wo er mit der Kollegin Frl. Marie Mäder die Ehe schloss.

Im Herbst 1906 wählte ihn dann die Einwohnergemeinde Strättligen an die Oberklasse in Allmendingen und die Gattin an die Elementarklasse.

Wie in Lobsigen, wo er mit Prof. Dr. Nussbaum geologische Forschungen im Gebiet der Saane unternahm, war er auch in Allmendingen neben der Schule rastlos tätig. Als Freund der Berge trat er der Sektion Blümlisalp des SAC bei und unternahm unzählige Bergtouren im Oberland und im Wallis. Ganz besonders interessierten ihn die geologischen Formationen und in letzter Zeit die Höhlen. (…) Nebenbei hielt er alles auf der photographischen Platte fest. Aber auch in der Naturkunde kannte er sich aus. Er trat der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft in Thun bei und pflegte jahrelang das Reservat Amez-Droz in Gunten.

Besondere Freude hatte er ferner an den alten Häusern in der Umgebung und den alten Haussprüchen. Er hatte die Absicht, darüber ein Buch herauszugeben. Im Militärdienst diente er als Wachtmeister. So musste er im ersten Weltkrieg fünfmal mit der Festungs-Infanterie am Gotthard einrücken, obschon er die obligatorischen Dienste im Auszug und in der Landwehr geleistet hatte.

Während des ersten Dienstes wurde ihm ein Sohn geschenkt. Nachher erbaute er sich mit seiner unermüdlichen Gattin im Osten des Dorfes das Chalet «Mis Blüemli».

Aber am 3. März 1947 ging die Gattin nach langer Krankheit zur Ewigkeit ein. Viel Ungemach brachte unserem Freund ferner ein Absturz beim Blumenpflücken am 19. Mai 1921 beim Oberbergli. Aber er hat in rastloser Arbeit, die nichts von Ferien wusste, die Härten des Lebens und Anfeindungen zu vergessen gesucht. 1941 erfolgte der Rücktritt vom Lehramt.

Es würde zu weit führen, alles, was der nun von aller Tätigkeit Ausruhende sonst noch im öffentlichen Leben, in den Vereinen und im Historischen Museum geleistet hat, zu erwähnen.

Scheinbar war er auch gemeinsam mit seinem Sohn tätig, wie im Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte steht:

Im Oktober 1939 wies uns Fritz Weiss, Wildhüter in Latterbach, den Weg zur Höhle «Mudebrünneli», die auch Mamilchloch genannt werde. (…) Am 9. Oktober 1955 erhielten wir Mitteilung von Franz Wuillemin in Allmendingen bei Thun, er habe 1947 im Mudebrünneli ein Probeloch gegraben. (…) Aus der Konsultation mit Franz Wuillemin, Sohn, und Hans Sollberger in Allmendingen ergibt sich, dass Letzterer anfangs Oktober 1955 mit Vater Wuillemin, der ein Jahr später starb, den Platz aufgesucht hat.

Franz Wuillemin war an zahlreichen Ausgrabungen beteiligt, u. a. den Bronzezeit-Gräbern im «Wilerhölzli» und den Überresten eines römischen Tempelbezirks in Allmendingen.

Aus dem Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums, Band 13 (1933):

Das erste Grab, Richtung N—S, Kopf im Norden, kam 1920 bei Anlass von Kiesgewinnungsarbeiten in 0,8 m Tiefe zum Vorschein, indem von der Erdwand ein Torques und ein Bronzedolch herunterfielen. Der Ortsforscher, Herr F. Wuillemin, Lehrer in Allmendingen, barg vorerst die Funde und sammelte, soweit es ihm möglich war, die Knochen zweier Skelette, nämlich die eines Erwachsenen und eines Kindes. Sie ruhten auf einer hellfleischroten Lehmmasse. Der Dolch lag auf der linken Seite in Brusthöhe, der Torques am Halse. Die Funde gelangten ins Museum Bern.

Aus dem Anzeiger für schweizerische Altertumskunde, Band 28 (1926):

Am 3. April 1926 stiess Landwirt Dubach in der sogenannten Bischofmatte, früher auch Alchenmatte genannt, bei Pflugarbeiten auf einen Inschriftstein. Er benachrichtigte in verständnisvoller Weise den dortigen Lokalforscher, Lehrer F. Wuillemin, der sofort eine vorläufige Untersuchung der Fundstelle vornahm und die Stücke des angefahrenen Steins sorgfältig sammelte. Dabei wurde der Inschriftstein freigelegt und mehrere Stücke einer Marmorstatuette aus Carraramarmor ausgegraben.

Hier finden sich weitere interessante Nennungen in Artikeln via E-Periodica.

Hier ein von Wuillemin verfasster Text für den «Bund» (1932) über den Allmendinger Ortsnamen «Chlummeren», hier ein Artikel im «Oberländer Tagblatt» (1955) über das Bürgli bei Zwieselberg.

Besonders spannend: Im Onlineportal des Stadtarchivs Thun liegt ein fotografischer Nachlass von Franz Wuillemin.

Beim Kanton Bern (Denkmalpflege) existiert ein weiterer Nachlassbestand:

Foto-Nachlass Franz Wuillemin

Interessante Fotos aus dem Stadtarchiv:

Blick aus seinem Fenster
Römische Figur, Tempelbezirk
– Erdpyramide Strättligen: hier, ganze Serie zum Niedergang der «Pyramide»
– Wilerhölzli ab hier

Mehr Infos zur «Erdpyramide» finden sich in einem (auch sonst sehr interessanten) Artikel im Jahresheft 2024 des Berner Heimatschutzes (Region Thun Kandertal Simmental Saanen):

Im Strättligturm wurde bis 1883 Pulver gelagert. 2010 wurde die Anlage umfassend saniert, Turm und Hof werden für Festlichkeiten vermietet. Zuvor, auf der rechten Seite, an der Hangkante, befanden sich vor hundert Jahren Erdpyramiden, von denen alte Fotos existieren.

Bild: Nachlass Franz Wuillemin, Stadtarchiv Thun

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