Das Gebiet rund ums Wylerhölzli in Thun ist eine der eher unbekannten Perlen der Region.
Es handelt sich um einen Hügel südwestlich von Allmendingen, geprägt von Lichtungen, Wäldern sowie vereinzelten Höfen und Häusern. Ein wirklich magischer Ort – besonders die zweite grosse Lichtung, das sogenannte Haslimoos.
Das Wylerhölzli ist nur ein Teil dieses Gebiets, nämlich das östlich vom «Wyler» gelegene Wäldchen. In diesem kleinen Wald wurden zwischen zirka 1920 und 1933 eine Reihe von Gräbern aus der Bronzezeit entdeckt (nicht aus der «Keltenzeit», wie das Tagblatt damals behauptete).
Aus dem «Oberländer Tagblatt» vom 18. April 1933:
Keltengrab im Wilerhölzli untersucht
Im Wilerhölzli, dem weit über die Thuner Ebene hinausragenden Hügel bei Allmendingen, wurde von W. Zimmermann und F. Wuillemin erneut ein Keltengrab geöffnet und eingehend erforscht. Professor Tatarinoff, der ebenfalls anwesend war, datiert die bislang untersuchten fünf Gräber anhand der in drei Gräbern gefundenen Keramik- und Bronzebeigaben in die Frühbronzezeit.
In dem zuletzt geöffneten Grab fanden sich weder Bronze noch Keramik, sondern ein Schmuck aus etwa 800 kleinen Schneckenschalen, die durchbohrt waren, um sie an Schnüren aufzuziehen. Es muss ein prächtiger Schmuck gewesen sein – diese einst braungefleckten, glänzenden Meerschneckenschalen, die wohl eine vornehme Häuptlingsfrau bedeckten. Laut Dr. H. Gerber aus Bern handelt es sich bei den Schnecken um die Art Columbella rusticosa, die heute noch im Mittelmeer vorkommt. Ebenso wie das Bernsteinstück, das vor zwei Jahren in einem benachbarten Grab entdeckt wurde, deutet dieser Fund auf Handelswege hin, die bereits damals über die Alpen nach Italien führten.
Während die Verstorbenen in den anderen vier Gräbern mit nach Süden gerichtetem Kopf ausgestreckt lagen, handelte es sich bei diesem Grab offenbar um ein Hockergrab. Der Grabgrund bestand aus flach aneinandergelegten Steinplatten, die Seitenwände waren aus Rollsteinen errichtet, die sich auf der Kuppe des Strättligmoränen-Hügelzugs in grosser Zahl fanden.
Es wäre wünschenswert, wenn das Thuner Museum eine systematische Untersuchung der gesamten Kuppe durchführen könnte, da sie vermutlich noch weitere Gräber birgt. So liessen sich wertvolle Erkenntnisse über die damalige Kultur und Besiedlung unserer Region gewinnen.
Ein weiterer Text vom 17. Juli 1933, verfasst vom «Entdecker» selbst, Franz Wuillemin:
Keltengräber bei Allmendingen
Auf der aussichtsreichen Höhe des Klummernhölzli bei Allmendingen, wo bereits bei der Kiesgewinnung mehrere alte Gräber entdeckt wurden, führen die Naturwissenschaftliche Gesellschaft und die Museumskommission von Thun derzeit systematische Grabungen durch.
In der vergangenen Woche kamen dabei zwei neue Gräber zum Vorschein, beide mit einer Nordwest-Ausrichtung von etwa 30 Grad. In einem der Gräber deutet die Lage der Knochen auf eine Bestattung in Hockerstellung hin. Beide Gräber sind aus mittelgrossen Schottersteinen im Trockenmauerwerk errichtet, während der Boden aus Steinplatten besteht.
Während eines der Gräber noch weiter untersucht wird, wurde im anderen an einem Armknochen eine schöne Bronzespange gefunden. Gemeinsam mit einem kleinen Schmuck aus Columbella-Schalen aus demselben Grab wird sie dem Thuner Museum übergeben.
Die Untersuchung des Schädels und der Knochen soll Aufschluss darüber geben, welchem Volksstamm diese Bewohner unserer Gegend um ca. 1600 v. Chr. angehörten. Bedauerlich ist, dass aus finanziellen Gründen nicht die gesamte Hügelkuppe – die damals offenbar als idealer Begräbnisplatz diente – untersucht werden kann.
Als ich vor einigen Tagen den Ort besuchte, um Fotos zu machen, war es still und entspannend. Dabei stellte ich mir die Frage, ob der Ort lokal überhaupt bekannt ist. Es scheint, als wüssten nur wenige Menschen, dass hier zahlreiche bemerkenswerte Ausgrabungen gemacht wurden. Und wahrscheinlich liegt dort noch viel Unbekanntes im Boden. Es ist kaum vorstellbar, dass im Gebiet nicht noch weitere Gräberfelder, eventuell auch aus der Eisenzeit (Kelten), existieren.
Der Begriff «Chlummere», wie der nördliche «Einstieg» ins Gebiet genannt wird, könnte auf eine römische Bezeichnung für einen Friedhof zurückgehen. Interessant sind auch Spekulationen, dass sich auf der Anhöhe einst eine grössere Siedlung befand.
Erinnern wir uns an die Diskussion zur Frage, wo sich Dunum befand: Das Haslimoos wäre ein möglicher Kandidat. Es bot einen weiten Überblick über die Region, vom Kandergebiet über das Aaregebiet bis ins Stockental. Dazu kommt die Nähe zum römischen «Tempelbezirk» Allmendingen, wo vermutlich einst ein keltisches Heiligtum bestand, bevor die Römer die Region übernahmen.
Zumindest der Anwohner, der direkt hinter dem Wylerhölzli lebt, hatte keine Ahnung von den (ausgehobenen) Gräbern, die nur etwa zehn Schritte von seinem Haus entfernt lagen.
Hier der komplette Text über die Funde von Otto Tschumi, erschienen 1933 im Jahrbuch des Bernischen Historischen Museums.
Wer sich für die allgemeine Geschichte der angrenzenden Quartiere interessiert:
Beiträge bei Thunensis über Allmendingen und Gwatt.
Einige Karten des Gebiets, von 1850, 1895 und 2021. Interessant sind die wechselnden Ortsbezeichnungen:


