Wer war Walter Zimmermann?

«Walter Zimmermann besass das seltene Geschick, Fundorte aufzuspüren und in den Boden einzudringen, um keltische, römische oder alamannische Gegenstände zu entdecken und der Wissenschaft zugänglich zu machen», steht in einem Nachruf vom 19. März 1948.

«Wer ihn kannte, wusste, mit welcher Sorgfalt er die viele tausend Jahre alten Gräber nach Schmuck und anderen Beigaben erforschte. In Zusammenarbeit mit dem Bernischen Museum erwarb er sich auf dem Gebiet der Altertumsforschung grosse Verdienste.»

Walter Zimmermann war studierter Forstingenieur und lebte zunächst in Bern (Aegertenstrasse 9) und später auch in Wattenwil («Drogeriehaus»), wo er auch begraben ist.

Nähere Infos zu diesem frühen Hobbyarchäologen in der Region Thun, von dem ich leider bis heute kein Foto gefunden habe, stehen in der Publikation von Jürgen Karl Wenzler zu den Funden auf der Bürg in Spiez:

Zimmermann war Oberförster, jedoch finanziell unabhängig, und verfügte über ausreichend Zeit, die er unter anderem damit verbrachte, sich mit der Vorgeschichte zu beschäftigen. Aufschluss über ihn und seine Arbeitsweise geben insbesondere seine Grabung auf der Bürg im Jahr 1935, die er bescheiden als «Sondage» bezeichnete, sowie vor allem seine Schrift «Prähistorische Forschungen im Gebiete des Thuner- und Brienzersees» von 1936.

Es handelt sich dabei offenbar um einen Bericht über die Ergebnisse von Nachforschungen, die er im Auftrag des Bernischen Historischen Museums durchführte. Dieses erhielt vom Seeuferschutzverband des Thuner- und Brienzersees finanzielle Mittel zur Ausarbeitung eines Programms zur archäologisch-historischen Erforschung der genannten Region.

Zimmermann erweist sich als exzellenter Kenner der Materie. Zahlreiche Geländebegehungen sowie gelegentliche Sondagen und Grabungen ergänzten seine Literaturstudien. Er war mit dem Fundmaterial und den Fundumständen bestens vertraut und bezog unter anderem alte Chroniken, Sagen sowie die Flurnamenforschung in seine Arbeiten ein. Naturwissenschaftlichen Untersuchungen gegenüber zeigte er sich sehr aufgeschlossen und pflegte einen regen Austausch mit Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen.

Er vertrat die Auffassung, dass sich die unterschiedlichen Disziplinen gegenseitig unterstützen sollten. Zudem äusserte er sich zum Pfahlbauproblem, etwa im Zusammenhang mit Seespiegelschwankungen, deren Ursachen sowie den Methoden zu deren Bestimmung. Ortsfremde Materialien nahm er zum Anlass, über mögliche Handelswege nachzudenken.

Einträge bei E-Periodica (bei «Herausgeber» näher filtern), weitere hier, hier und hier weitere Nachrufe, hier eine Todesanzeige.

Walter Zimmermann wurde am 14. Juli 1886 als Sohn des Buchdruckers Friedrich Alphonse («Fritz») Zimmermann in Bern geboren. Die Familie Zimmermann stammte ursprünglich aus Wattenwil. Sein Vater, 1856 geboren, führte später die Zimmermann’sche Buchdruckerei in Bern.

Nach einer Ausbildung zum Forstingenieur an der ETH und patentierten Förster wirkte Walter Zimmermann zunächst in seinem Fachgebiet. 1913 wurde er von der Burgergemeinde Wattenwil zum Oberbannwart gewählt.

Als aufmerksamer Feldforscher entdeckte er zahlreiche archäologische Fundstellen und machte unter anderem auf die Spuren römischer Villen und Gutshöfe im Gebiet von Forst und auf dem Uetendorfer Heidbühl aufmerksam. Über viele Jahre hinweg lieferte er dem Historischen Museum Bern Fundstücke und Beobachtungen, die für die archäologische Forschung von Bedeutung waren.

Die Schweizerische Gesellschaft für Urgeschichte würdigte ihn nach seinem Tod als einen «unermüdlichen Entdecker ur- und frühgeschichtlicher Fundstellen». «Er wusste den Bauern ihre Geheimnisse zu entlocken, suchte selbst im Gelände. Jedes Jahr übermittelte er dem Museum in Bern neue Fundstücke und uns seine Beobachtungen, unter denen sich immer interessante Dinge befanden. Er versuchte sich auch in kleineren Ausgrabungen. Leider ging sein vieljähriger Traum, sich vollständig der Urgeschichte, wenn auch in untergeordneter Stellung, widmen zu können, nicht in Erfüllung. Wir werden ihn in gutem Andenken bewahren.»

1927 war Walter Zimmermann gemäss diesem Artikel Mitbegründer der Gesellschaft bernischer Privatforscher und Sammler für Altertumskunde in Bern. Die Vereinigung diente dazu, private Forscher und Sammler zu vernetzen, Funde und Beobachtungen systematisch zu sammeln und in einem Archiv zu sichern sowie den Austausch durch Sitzungen und Exkursionen zu fördern.

1930 wurde vermeldet, dass die Gesellschaft ihren Namen in «Gesellschaft für bernische Altertumskunde» geändert habe.

Zimmermann war ab 1932 Mitglied des Historischen Vereins des Kantons Bern.

Walter Zimmermann starb nach langer Krankheit am 13. März 1948 in Wattenwil im Alter von 62 Jahren.

Seine Schriften:

Spuren von Pfahl- oder Moorbauten im Gebiete des unteren Thunersees

Zum Aufenthalt der Römer in der Thunerseegegend

Interessante Quotes:

Durch die intensive Kultur der Neuzeit sind die alten Ansiedelungsspuren so verwischt, dass man sonst auf dem Terrain keine Anhaltspunkte findet. Auch alle Häge verschwinden aus der Landschaft überall im Kanton Bern, worin sonst noch etwa Leistenziegelfragmente auf den Entdecker warten. Mit jedem Jahr wird deshalb die Forschung immer schwieriger. Zudem wird zum Strassenbau und Unterhalt immer mehr Schlagkies verwendet, und überall tauchen auf dem Lande Steinbrechmaschinen auf, mit denen der Unternehmer von Steinhaufen zu Steinhaufen, von erratischem Block zu Block fährt, und alles, was ein Naturdenkmal sein könnte, wird zermalmt. Gerade diese Maschinen veranlassen den Landwirt, die Häge wegzurasieren, weil er sogar für die Steinhaufen Abnehmer mehr findet. Für den Natur- und Altertumsfreund ist die Steinbrechmaschine wirklich «öppis vom Tüüfel nahi», ob deren Anblick höchstens der Maikäfer Freude hat, da sie ihm die Brutstätten seiner Feinde zerstört. Ja, es ist höchste Zeit für uns, den Spuren der Vorzeit intensiver nachzugehen.

Prähistorische Streiferein in der weiteren Umgebung von Thun

Interessante Quotes (ins Hochdeutsche übersetzt):

Und weiter frage ich den Mann: «Und sonst wisst ihr nichts mehr zu erzählen? Haben hier nicht auch die sogenannten Schnabelleutlein (Pfahlbauer) gehaust? Hat man nie etwas von ihnen bemerkt? Ist nicht vielleicht schon altes, graues, unglasiertes Keramikgeschirr ausgegraben worden oder eine grünspanige Rüstung? Ist man hier nie beim Grienrüsten oder Bäumepflanzen auf alte Gräber aus der Ritterzeit oder aus der katholischen Zeit gestossen? Wo könnten hier vielleicht Schatzgräber gegraben haben? Wisst ihr vielleicht etwas von Zwergen oder Ungeheuern zu berichten?» So ungefähr lautet das volkstümliche Fragenschema eines Prähistorikers, wobei ein halber Liter als unentbehrlicher Zungenlöser dienen muss.

Und hier nun sein Manuskript «Prähistorische Forschungen im Gebiete des Thuner- und Brienzersees» von 1936. Es kann auch in der Bibliothek der Uni Bern ausgeliehen werden.

Schreibe einen Kommentar