Schätze im Literaturarchiv

Gestern war ich in der Nationalbibliothek in Bern. Ich hatte im Voraus einige Unterlagen aus dem Literaturarchiv bestellt. Der Ablauf ist erfreulich unkompliziert: Die gewünschten Bestände lassen sich vorab reservieren, vor Ort füllt man ein kurzes Formular mit Namen und Forschungszweck aus und erhält anschliessend die Archivschuber ausgehändigt.

Und die hatten es in sich.

Zwischen den Mappen fanden sich echte Schätze: Originalkorrespondenzen von Albert Jahn, Gustav von Bonstetten und weiteren Persönlichkeiten, die für die Berner Geschichts- und Altertumsforschung von Bedeutung waren. Aus Zeitgründen konnte ich nur einen kleinen Teil sichten, doch einige Stücke stachen besonders hervor.

Besonders gefreut hat mich ein Konvolut von Eduard Lutz und Albert Jahn zur lokalen Altertumskunde. Bereits der Titel macht neugierig: «Correspondenzen, Notizen und Berichte – die antiquarische Topographie des alten Cantons Bern betreffend, gesammelt von A. Jahn und Ed. Lutz.» Die Unterlagen bildeten eine wichtige Grundlage für Jahns Arbeiten zum Kanton Bern. Im Kern handelt es sich um eine Sammlung ausgefüllter Fragebogen mit rund zwanzig Fragen, die an Behörden und Gemeinden im ganzen Kanton verschickt worden waren:

Lutz Archäologie

Lutz Archäologie

Lutz Archäologie

Doch schnell zeigte sich das grösste Problem solcher Archivarbeiten: Die meisten Dokumente liegen handschriftlich vor. Und zumindest für mich sind rund 99 Prozent davon auf den ersten Blick kaum zu entziffern. Dazu kommt, dass die Korrespondenz von Gustav von Bonstetten auf Französisch verfasst wurde:

Gustav von Bonstetten Korrespondenzen

Gustav von Bonstetten Korrespondenzen

Gustav von Bonstetten Korrespondenzen

Gustav von Bonstetten Korrespondenzen

Der Besuch hat mir deshalb vor allem eines gezeigt: Ohne eine sehr konkrete Fragestellung verliert man sich schnell in den Beständen. Sinnvoll wäre es wohl, gezielt nach einem bestimmten Ereignis, einer Jahreszahl oder einer Person zu suchen, die relevanten Dokumente zu fotografieren und anschliessend in Ruhe auszuwerten.

Dabei stellt sich die Frage, ob moderne KI inzwischen bei solchen Quellen helfen kann. Es gibt heute verschiedene Werkzeuge, die historische Handschriften transkribieren können. Wie zuverlässig sie bei den teils schwer lesbaren Dokumenten des 19. Jahrhunderts funktionieren, müsste sich allerdings erst zeigen. Für künftige Archivbesuche könnte das eine spannende Option sein.

Zum Abschluss machte ich noch einen kurzen Abstecher in die Nachbarschaft, denn nur wenige Gehminuten von der Nationalbibliothek entfernt steht an der Aegertenstrasse 9 das ehemalige Elternhaus von Walter Zimmermann:

Walter Zimmermann Bern

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